s Kätterli |
|
von Otto Uehlinger |
|
|
Z Ooschterfinge verzelled di aalte Lüüt e sältsaami Gschicht: Wo dBurgfrau wider is Bett cho ischt und im-ene munzigchläine Chindli,
im Kätterli, s Läbe gschänkt hät, hät de Ritter sid langer Ziit wider
emol e froh Gsicht gmacht. Alli, äär bsunders, händ fescht uf e Mäitili
planget ghaa. Aber noch ere Wuche ischt uf die Freud es Läid iigchehrt:
dMueter ischt im Chindbett gschtoorbe. Und uf aan Schlag ischt alles anderscht woorde uf Radegg. Mit der Frau
hät de Burghärr au no de letscht Räschte vo Adel und ritterlicher
Gsinning verloore. Glii baald ischt er zomene gwöhndliche Schtruuchritter
abegsunke und hät sich siini Sach dört gholet, wos öppis gha hät, au wänns
uf uurächte Wäge ggange ischt. «Rächt hät, wär schtercher ischt», hät
er amed gsaat, wän er mit siine Chnächte de Puure ischt go di riiff
Frucht abhaue, oder wän er di riiche Schafuuser Chaufhäre, wo mit irne Wäge
uf der Schtrooss durs Wangetaal uf Waaldshuet zoge sind, überfalle und päcklet
hät. Im fiischtere Burgverliiss hät er dänn die Gfangene zable loo, bis
es Löösgält iitroffe ischt und me si wider fräi lo hät. Im Ritter siini sibe
Buebe sind uubekümmeret wie Uuchruut ufgwachse. D Mueter hät ene gfählt.
Und baald händ si iren Vatter uf siine Raubzüge begläitet. Wie äär,
sind si wildi, gwaalttäätigi und wüeschti KärIli woorde. Ka gröößeri
Freud für sii, weder wänn de Wächter uf em Turm en neue Waarezug uf der
Wangetaalschtrooss gmäldt hät oder wänn si händ chöne im ene Puur z
Ooschterfinge e Schtuck Vä vom Fäld ewäg schtäle. Uf sonigi Schtuck
abe händ si amed uf Radegg obe gsoffe und gjohlet bis i alli Nacht ie und
iren Muetwille tribe mit de Gfangene, wo si us em Burgverliiss unne ue
gholet händ. S Kätterli ischt under
der Obhuet von-ere aalte, treue Magd, der Gertrud, zom-ene hübsche Jümpferli
ufgwachse. D Gertrud häts im guete Gäischt und im Glaube an Härrgott
uferzoge und im daa is Härz glaat, wa au hütt no en jede Mäntsch adlet:
Güeti und Hülffsberäitschaft und Liebi zor Kreatuur. I sim Gäärtli,
wo me hütt no gsiet und wo we-ne Chanzle über dHaalde usselueget, hät s
Kätterli siini Blueme pflägt, trotzdäm das dBrüedere amed uusglachet händ:
«Uf e Raubvogelnescht ghööred doch ka Blüemli, da ischt rächt für
chläini Chind und aalti Wiiber.» - Aber s Kätterli ischt schtill siiner
Wäge ggange. Uf Wäge sogaar, wo sin Vatter und siini Brüedere nüüt händ
tööre wüsse dervo. Vilmol, wänn si furt gsi sind, hät s Kätterli e
Chörbli an Aarm gnoo mit Iuuter guete Sache drin - si sind etz nümme so
aarm gsii uf der Radegg - und ischt abe uf Ooschterfinge oder dure uf
Baalterswiil, hät di Chranke bsuecht und si trööschtet und hät dört,
wo siini Brüedere Läid und Noot zruggloo händ, für alli e guet Wort
und e offni Hand ghaa. Au di Gfangene im Burgverliiss häts pflägt und
ene Muet zuegredt, wänn dLiidensziit i däm fiischtere, füechte Loch
gaar au lang tuuret hät. So isch es choo, da me s Kätterli baald wiit
umenand wie-ne Häiligi verehrt hät. Aäs hät vil Liebi tööre erfahre,
au wänn de Hass gege de Ritter und siini wilde Trabante immer gröösser
woorde ischt. Emol ischt de Radeggere
en ganz en bsundere Vogel i dFäng groote. I der Chäppilischtaag änne händ
si us em Hinderhaalt en junge Ritter mit sim Chnapp chöne überrumple und
gfange näh. Scho a de schtattliche Rössere aa händ si gmerkt, da dä
Vogel goldigi Fädere hät. Mit vil Gjöhl händ si die bäide uf d Radegg
ue bugsiert und grad mit em Verhöör aagfange Wohäär da si säjid und
wohäre da si welid. Aber de jung Edelmaa hät ene ka Amptert ggää.
Schtolz ischt er im Hof gschtande, und siini schwarze Auge händ die Wägelagerer
verächtlich gmuschteret. Aber dRadegger händ nid lang Fäderläsis
gmacht: «ls Loch abe mit im! Miir chönd scho waarte, bis er wäich wüürt.»
- Druf händ si sin Begläiter under dChnuute gnoo. Und glii ischt dä
sowiit gsii, da-n-er-ne kanntli ggä hät, wa si händ wele wüsse: Dä
jung, schtolz Ritter schtammi us eme riiche italiäänische Adelsgschlächt
und säi mit ere wichtige Bootschaft underwägs an tüütsche Käiserhof! Zwää Tag schpööter
ischt dä Begläiter wider mittagwärts gritte, aber damol blooss no uf
eme aalte, magere Chläpper. Aber derfür mit ere Fordering uf e Löösgält
für sin Härr, das im fascht schwindlig woorde ischt, wän-er no draa tänkt
hät. Lang hät de Ritter im
tunkle Turm unne möse waarte, und mängmol hät er zwiiflet öb er ächt
wider emol zo däm Loch uuschömm. Aber au für in ischt es Kätterli
Trooscht und Hoffning gsii. Aäs hät en wie-n-en guete Ängel umsoorget
und im Muet zuegredt i siine schwääre Schtunde. Äntlich, äntlich ischt
s Löösgält iitroffe, und de Ritter ischt wider fräi gsii. Bevor
da-n-er wiiterzoge ischt, ischt er no lang bim Kätterli im Gäärtli gsässe
und hät e äärnschti Uusschprooch ghaa mit im. Er häts gfrööget, öb
ääs nid wel siini Frau wäärde. Sii güetig Wäse, siini Frömmikäit
und siini Liebi säjid jo doch verloore do obe bi däne Kärllene, wo all
im Tüüfel ab der Landwid ghäit säjid. Aäs söll mit im choo uf Italie,
äär wells immer lieb haa und siiner Läbtig uf de Hände träge. S Kätterli hät lang nüüt
chöne säge. Es ischt ganz vüre is Gäärtli gschtande, dört, wo me
wiit is Land usse gsiet. Zwoo Mächt händ in im kämpft: dLiebi und
Pflicht. Und wider emol isch es ganz elaage gsii, und niemert hät im chöne
hälffe. Do häts dHänd zämetoo und lang, lang pättet. Und wos sich
umgchehrt hät und de frönd Ritter gsäh hät doositze, no blaach und zäichnet
vo der schwääre Gfangeschafft, häts gwüsst, wo sin Platz ischt. «Lueg»,
häts zue-n-im gsaat, «au duu bischt mir i däre schwääre Ziit lieb
woorde, und ich glaube, da-n-ichs bi diir schöö hett und uhni Soorge chöönt
sii. Aber ich cha nid furt do, wo sovil Läid und Noot ischt. Wäär täät
de Lüüte no hälffe und di Gfangene trööschte? Au miini Brüedere händ
mich nöötig, viläicht sii grad am allermäischte. De Härrgott hät
mich do ane gschtellt und mir e-n Ufgoob ggää, und ich cha-n-im nid
druuslaufe, blooss da-n-ichs schöö ha. Do händ mich so vili nöötig,
und ich taar si nid im Schtich loo. Ich ha no nie öpper so lieb ghaa wie
dich. Aber wän ich mit diir chiem, so möösst ich immer e schlächt Gwüsse
haa, wil ich miinere Pflicht als Chrischt uswäg ggange säi. Bis mer nid
böös, ich cha nid anderscht.» De Ritter ischt no lang
bim Kätterli gsässe. S ischt au für in schwäär gsii. Aber wil er en güetige,
liebe Mäntsch gsi ischt, hät er s Kätterli chöne verschtoh. «Ich cha
dich nie vergässe», hät er gsaat, «und ich wüürde immer mit Liebi a
dich zruggtänke.» Druf händ si Abschid
gnoo. Und no lang hät im s Kätterli vom Turm uus nooglueget, bis da-n-er
hinder de Bömm im Wangetaal verschwunde ischt. Dänn häts es Chöpfli
sinke loo und priegget, priegget wie no nie. Und wo de Baschtiaan de
Rigel zruggschobe hät, riitet uf eme füürige Ross en frönde Ritter in
Burghof ie. Oder doch nid ganz en frönde? Es ischt de Chnapp gsii vo sälbem
italiäänische Ritter, mit ere Bootschaft vo sim Härr für s Kätterli.
I siinere Hand hät er en Schtruus Roose traat und en im Kätterli übergää,
Roose von-ere zaartblaue Farb und mit eme bsunderbaar fiine Duft. Sin Härr,
so hät er sin Uftrag uusgricht, chönn s Kätterli au i der Haamet nid
vergässe, und er lös es frööge, öb ääs nid doch möchte zue-n-im
choo und für immer bii-n-im bliibe. Die Roose schicki äär im als Zäiche
vo siinere Liebi. Er säi gritte wie närrsch. De Ritter häi nämlich
gsaat zue-n-im: Wänn die Roose no blüejid, wän er uf der Radegg aa chömm,
so säi da s Zäiche, da si zämeghöörid. S Kätterli hät zeerscht
nüüt chöne säge. S Wasser ischt im i dAuge gschosse, vor Freud und au
vor Weh. Aber es hät im Überbringer vo däne Roose kan andere Pschäid
chöne gää, weder was vor eme Johr i sim Mäischter gsaat hät: Es chönn
nid! Zvil Läid ischt uf Radegg und im Land gsii. Siini Brüedere händs
immer erger tribe, und s hät nüüt me ggää, wo-n-ene no häilig gsi wäär.
Au wo si die Roose gsäh händ, händ si Iuut usseprüelet vor Lache über
dä Chindschopf, wo Blüemli im Land umenand schicki. Und dä italiäänisch
Chnapp hät zletscht sogaar no möse froh sii, da-n-er uugschoore wider
furt cho ischt. Im Kätterli häts weh
too, da siini Brüedere da Zäiche von-ere tüüffe Liebi därewäg uusgfötzlet
händ. Truurig häts sin Schtruus gnoo, ischt zor Burg uus und abegschtige
a dRadeggerhaalde. Am-ene verboorgene, schtillne Plätzli isch es anegsässe,
hät sii fiin Gsichtli i die blaue Roose iegsänkt und priegget, priegget,
priegget. Es Weh im Härz ischt immer gröösser woorde, dVerzwiifling
immer schtercher, und es hät gmaant, es chöni nümme wiitergoh uf däm Wäg,
wo-n-im de Härrgott gwise hät. Eerscht wos um Trooscht pättet hät, häts
im e wängili gliichtet. Aber es hät d Roose nümme möge i dBurg ue träge,
es hett die Deemüetiginge vo siine Brüedere nümme uusghaalte, es hett
dChraft nümme ghaa. Do häts die Roosezwiig a däm verboorgene Plätzli
in waarme Bode iegschteckt, wo si vor bööse Mäntsche sicher gsi sind.
Und immer, wänns im schwäär um s Härz gsi ischt, isch es abegschtige
zo siine Roose, hät dört priegget und pättet und Trooscht und neue Muet
gfunde. S Gschick häts guet
gmaant mit em Kätterli: die Roosezwiig händ Wuurzle gschlage und Johr für
Johr iri duftige, blaue Blüete der Sunne entgege gschtreckt. Und tüüff
im Härze hät au d Liebi wiiterblüeit, fiin und zaart. Alli Johr hät de
italiäänisch Ritter im Kätterli en Bluemegruess gschickt: Orchidee oder
Roose, oder Diptam, oder anderi sältsaami Bluemechinde us siinere Haamet.
S Kätterli hät für alli a der sunnige, waarme Halde e verboorge Plätzli
gwüsst, und vili händ wiiterblüeit, Johr und Tag. Im Kätterli siini Brüedere
händs immer erger tribe. Gwaalt und Raub und Tootschlag sind baald a der
Tagesoornig gsii. Emol ischt ene en riiche Schafuuser Rootshärr i dChlaue
groote. Dä händ si plooget bis uf s Bluet und en eerscht noch eme
uuverschamte Löösgält wider fräi ggää. Und da hät im Fass de Bode
uusgschlage. Inere schtockfiischtere, chiidige Winter nacht händ s
Chriegsvolk vo Schafuuse und dPuure vo Ooschterfinge da Raubnescht gschtürmt.
En Burgchnächt, wo me dobe furtgjagt gha hät, hät de Verrööter
gschpilt und de Baschtiaan, de aalt Toorwächter, chöne übertölple. A
allne Egge händ si dBurg aazündt, ka Muus ischt me läbig ussechoo.
We-ne risigi Fackle hät s Füür i s Land usseglüüchtet, als Zäiche vo
der Befräiing us Angscht und Noot. Wo d Rafe scho aagfange händ
zämechrache und ganzi Wulche vo Gluusme i di schwarz Nacht uegwirblet
sind, rüeft zmool an: «S Kätterli! Retted
s Kätterli!» I der
Ufreging und i irem Iifer händ sis ganz vergässe ghaa. Aber etz isch es
z schpoot gsii. Si händ zwoor no wele i di brännend Burg iidringe aber s
ischt nümme möglich gsii. Me hät s Kätterli no gsäh, wie s am Fänschter
obe im Turm um Hülff grüeft hät. Aber dänn ischt de Tachschtuel über
im zämeproche, und da guet Chind hät in Flamme möse umchoo. De Tüüfel hät nid lang
möse verläse, wo-n-er cho ischt cho abrumme. Alli, bis as Kätterli, hät
er i sin Chratte packt. Aber au ääs hät de Wäg in Himel nid gfunde. D
Liebi zo sim Ritter, wo ääs immer z tüüffscht inne mit sich umetraat hät,
ischt nid erfüllt woorde. Und uhni Erfülling giits ka Selikäit. Und hütt no, wä-me
in-ere schtillne, moohaatere Nacht dur s Wangetaal goht, cha me s Kätterli
gsäh dobe sitze uf der Ruiine, e wiiss Näbelschläijerli um sich ume. Dört
sitzts und bättet für siini Brüedere und briegget und waartet uf Erlöösing.
Es waartet uf en Purscht mit eme guete, räine Härz, uf en Ritter uhni Fähl
und Tadel. Aber dä Purscht mo zallereerscht di blau Roose finde, wo alli
Johr no blüeit, ganz verboorge a der Radeggerhaalde. Und wän-er die
Blueme bricht und dermit uegoht uf di äinsaam Ruiine, und im Kätterli
dRoose i dHand giit, dänn hät ääs de Schlüssel zor Selikäit und taar
iigoh i di eewig Rue. Da ischt die Gschicht vom
Kätterli, wie mer si dUrgrosmueter im Oberdoorff z Ooschterfinge,
dBaarbere Ritzmann, vor lange Johre verzellt hät. Sid doo bi-n-i däre
Saag no drüümol begegnet: S eerschtmol:
Aafangs de driissger Johre ischt z Ooschterfinge de Sime-Maarti gschtoorbe.
DLüüt verzelled hüt
no vo-n-im, er säi en grobe, uughoblete und wüeschte Kärlli gsii, en
Ufloot und en Fluecher, wo aliwil mit allne Lüüte Schtriit gha hät.
Siiner aagne Frau hät er s Ässe vergunne, und sii Vä hät immer möse
vor em Wage häär ränne. DChind händ en gfüürcht we de Tüüfel. Er hät
aber au gfüürchig uusgsäh: en wilde Schtrubelchopf, e verzuuslet Bockbäärtli,
dräckgääli Zäh, wo-n-im zom Muul uus gschtande sind, und e Par schtächigi,
böösi Auge. Aber i sim Innerschte ischt er en Fäigling und Füürchtibutz
gsii, en Schissbrüeder uhni gliiche. Er hett sich nid emol getrauet,
znacht zwüsched de Zwölfe und de Aas vo Nüchilch über de Hasebärg uf
Ooschterfinge dure z lauffed. Ane füüfenünzgi, im
Heuet, säi de Sime-Määrtel emol de Morge am zwaa ggange go määije in
Wägwise hinne, grad unne a der Radeggerhaalde. De Vollmoo säi über der
Abtshaalde gschtande und häi sin hälle Glanz über s ganz Taal und de
Rossbärg glaat. De Maarti häi aa Made um di ander umglaat. S
häis ghaue we Saloot. Wo-n-er
ob em Wetze emol zor Radegg ueluegi, do gsäch er es Kätterli d Halde
durab riite, uf eme schnee wiisse Ross, grad uf in zue. Do häi er dSägisse
furtghäit und säi grännt, grännt wa-n-er Bode verwütscht häi, bis vüre
zom Bad. Gjohlet häi er we-n-en Besemaa: «Ooli-ooli, s Kätterli wott mi
hole, ooli-ooli, Z Hülff, s Kätterli holt mi!» Bim Badwürt vornne säi
er dänn in Schtall iegschloffe und under dChripf undere ghocket und häi
päberet we-ne aschpi Laub. Und eerscht, wo dSunne scho lang am Himel
gschtande säi, häi er sich wider vüregetrauet. Eso häts de Sime-Maarti
bis zo sim Tood i jedem verzellt, wo-n-en drum gfrööget hät. S zwäitmol: Es möged
etz uugfähr füüfezwanzg - driissg Johr häär sii, do ischt d
Schriiber-Lauraa, e frisch und suuber Ooschterfinger Chind, emol amene häisse
Summersunntig ganz elaage uf der Radegg obe gsässe und hät i s Land
usseglueget, wo i der brüetige Hitz gflimmeret hät. Der Lauraa iri
Gedanke händ sich mit all däne Dinge beschäftiget, wo s Härz vomene
zwanzgjöhrige Jümpferli erfülled: mit Hoffninge und Änttüüschinge,
mit Zuekumftsplään und - s wüürt scho so gsi sii - allwäg au mit der
Liebi. Und do isch es jo sicher guet, da de Mäntsch emol e Schtundlang
ganz mit sich elaage ischt. Druf abe ischt da Chind es aalt Radeggerwägli,
vornne a der Haalde, durabgschtige. Hütt ischt da Wägli, wo tachgääch
abegoht, ganz verwachse und chuum no z finde. Do ischt d Lauraa, immer no
i irne Gedanke, vo däm schmaale Wägli abchoo, und zmool schtoht si vor
eme Schtruuch, wo wundersaamii, zaartblaui Blüete traat hät. Vor e par Wuche bi-n-i z
Ooschterfinge bi der Lauraa i der Schtube inne gsässe und ha mit ere über
sälb Wunder gredt. Und iri Auge händ e sält saam glücklich Lüüchte
überchoo, wo si miir vo irem Erläbniss mit der blaue Roose verzellt hät. Me täät iez gäärn aanäh,
i der Lauraa häi di sälb Begäbehäit e bsunder Glück proocht. Aber es
ischt nid de Fall. Si ischt e schtill, aamfach Puurefraueli woorde, wo
sii ghuuffet Soorgepäckli mit uf de Wäg überchoo hät. Aber viläicht hät
de Härrgott emol e bsunders schöö Plätzli für ins paraat. Und s drittmol: Es
sind etz baald zeh Johr sider. Wo-n-ich no z Ooschterfinge Schuelmäischter
gsi bi, bi-n-i a mängem häisse Summertag a der Radeggerhaalde umegchlätteret,
e Botanisierbüchs uf em Puggel und s Pflanzebuech, de «Binz», i der
schwaassige Hand. DOrchidee bsunders händ mi inträssiert. Do begegnet
mer emol am-ene schööne Tag, zmitts i der Haalde, en frönde Härr. Er hät
uugfähr di gliich Uusrüschting ghaa wie ich, und i der lingge Hand hät
er Roosezwiig traat, und Brombeeri schtüüdli, und waass ich nid waa. Dä
Härr ischt en Profässer gsii vo Züri, wo siini botaanische Schtudie
tribe hät. Mer sind mitenand is Gschprööch choo, und do ha-n-im au die
Saag vo der Radegg verzellt. Er ischt ganz schtill näbed mer gsässe und
hät blooss vo Ziit zo Ziit gnickt mit sim gschiide, schööne
Glehrtechopf. Wo-n-i fertig gsi bi mit Verzelle, hät er e Rüngli
gschwiget und mich us siine blaue Auge ganz waarm aaglueget. Druf saat er: «Inträssant,
inträssant, wie de sogenannt Volksmund en Erklääring gfunde hät für
di wüsseschaftliche Taatsache. Me gsiet au do wider, wie i jedere Saag en
Chäärn vo Woret schteckt. Si wüssed jo, da die Radeggerhaalde wäge
irem bsunders sunnige und trochene Klimaa e Flooraa hät, wo suscht blooss
i wiit südlichere Gegende dihaam ischt. Die Rosa gallica, wo Si do i
miinere Hand gsend, ischt au e Chind vo dört. Es Ufträtte vo däne
bsundere Aarte (<xerotherm>, hät er zwoor gsaat) i däm
Ooschterfinger Gebiet ischt au der Fachwält vom Ussland bekannt. Ich bi
scho mit Koleege vo Pariis und vo Brüssel do a däre Haalde ume
gschtiflet, und au sii sind erschtuunt gsii über die inträssante
botaanische Fund, wo si do gmacht händ. - Ich wäär Ene tankbaar, wänn
Si miir die Saag chööntid schicke, do ischt miini Adrässe.» «Die schtoht niene, Härr
Profässer, und s kännt si au fascht kan Mäntsch me. Blooss
no e par aalti Lüütli z Ooschterfinge.» Do
laat er mit dHand uf dAchsle und saat: «Dänn sötted
i si aber uubedingt ufschriibe. S wäär schaad, wänn si verloore
gieng.» Druf ich: «Me chöönts jo emol probiere, ... scho
wägem Kätterli.» Erzählung
in Schaffhauser Mundart von Otto Uehlinger, aus dem Buch „Am Trottefüür“.
Mit
der freundlichen Genehmigung der Erben Otto Uehlingers |
|